Freitag, 6. April 2012

Paradies Neukölln .....

ist die Überschrift eines Artikels im letzten Spiegel, der über den Umzug eines ganzes Roma-Dorfes aus Rumänien nach Berlin-Neukölln berichtet. 700 sind schon dort und viele weitere wollen folgen. Die Geschichte einer Armutsauswanderung von Rumänien in den Sozialstaat Deutschland. Nach dem Bericht ist ein Viertel der rumänischen Gemeinde Fântânele dem Lockruf des Paradieses schon erlegen und viele mehr wollen ihm noch folgen. Sie fordern die Einlösung des Wohlstandsversprechens ein, dass mit dem EU-Beitritt in ihr Land gekommen war, das Versprechen auf eines besseres Leben für sich und ihre Kinder. Bei dieser Gemeinde handelt es sich nicht um ein Wandervolk der Romas, sondern um fromme Christen, die seit Generationen der Pfingsgemeinde angehören und nach strengen Regeln leben: nicht klauen, nicht betteln, nicht spucken , nicht fluchen und sie dürfen nicht Verhüten. So haben viele der Familien schon mal mehr als zehn Kinder.
Offiziell dürfen diese Bürger in Deutschland nur besuchsweise sein, eine Arbeitserlaubnis ist schwer zu erhalten und nach 3 Monaten sollten sie Deutschland auch wieder verlassen. Dennoch hat ein deutscher Hartz-IV-Empfänger, der mit einer dieser Roma verheiratet ist, von einer wohlmeinenden Sozialarbeiterin einen Tipp bekommen, wie er seine ganze Verwandtschaft über ein Hintertürchen doch nach Berlin umsiedeln kann. Der Trick ist nämlich, dass jeder Bürger aus einem EU-Staat das Recht hat,  in einem Mitgliedsstaat als Selbständiger tätig zu werden. Der Deutsche meldete seine Verwandten als Gewerbetreibende an, als Schrotthändler und damit erhielten sie eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Da diese Geschäfte aber nicht nur für Deutsche schlecht laufen und es auch nicht unerwartet war, dass sie schlecht laufen würden, reichten die Einkünfte zum Leben für diese großen Familien natürlich nicht aus. Und was ist in solchen Fällen? Die deutschen Sozialgesetze greifen und zwar in diesem Fall das Zweite Sozialgesetzbuch, das einem Selbständigen  einen Anspruch auf Grundsicherung zusichert, das sogenannte aufstockende Hartz IV. Und das Märchen geht weiter, denn solche Wohltaten kannten sie in ihrem Heimatdorf nicht. Viele können nun von der Unterstützung des Jobcenters und dem Kindergeld, das in Deutschland gut 20-mal höher ist als in Rumänien gut leben, da sie ja auch aufgrund ihrer religiösen Einstellung meistens genug Kinder haben. Und zusammen wohnen können sie hier bei uns auch weiter. Alle versuchen sich in der gleichen Straße in Neukölln anzusiedeln. Eine Wohnungsgesellschaft hat Blöcke aufgekauft für die neuen Bürger und nun sind alle zufrieden und glücklich und natürlich wollen sie noch mehr Verwandte um sich haben. Warum die Bürger von unserem Staat Geld geschenkt bekommen, ohne etwas dafür leisten zu müssen, das verstehen sie nicht, aber sie danken täglich ihrem Gott für dieses neue Leben.

Verstehen kann ich diese Auswanderer, haben sie doch zuhause überhaupt keine Alternative und zählen in Europa mit zu den Ärmsten der Armen und wenn ich dort leben müßte, würde ich wahrscheinlich auch nach jedem Strohhalm greifen, der mir ein besseres Leben beschert. Schuld an dieser Sozialschmarotzerei sind unsere Gesetze und die lasche Kontrolle, wer sie ausnutzt. Ausserdem frage ich mich, warum hilft man ihnen nicht in ihrem Land beim Aufbau einer neuen Zukunft? Und warum macht man es ihnen so einfach? Was die Folgen einer solchen Ghettoisierung sind, spüren wir hier schon in meinem Stadtteil zur Genüge.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Und warum werden die zigeuner nicht in ihrem land geholfen?

margareta

Brigitte hat gesagt…

Also, da kann man den Roma doch nicht böse sein. Überhaupt nicht. Sie nehmen, was sie hier bekommen können. Und man kann viel bekommen hier, wenn man die Wege weiß.

Vielleicht sollte ich über Rumänien einwandern?

juwi hat gesagt…

Hallo Brigitte,

bezüglich der Frage, warum man den Roma nicht in Rumänien hilft, ist mir bekannt, dass die Rumänen auf "die Roma" im allgemeinen nicht gut zu sprechen sind. Ich bezweifle, dass sie zwischen "den Roma im allgemeinen" und der von dir genannten sesshaften Volksgruppe differenzieren werden.

Ich war einmal beruflich im Rahmen eines Projekttreffens für einige Tage in Timisoara. Dabei habe ich das eine oder andere bezüglich des Verhältnisses zwischen Rumänen und Roma mitbekommen.

Einige Roma, die es zu einigem Wohlstand gebracht haben, bauen protzige Villen für sich und ihre Familien. Den Rumänen, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht, ist das ein Dorn im Auge. Pauschal wird den reichen Roma nachgesagt, sie seien mit krummen Geschäften zu Wohlstand gekommen. Den Roma, denen es nicht so gut geht, sagt man in Rumänien nach, sie würden mit krummen Geschäften daran arbeiten, sich ebenfalls eine protzige Villa leisten zu können. Wenn die beiden Völker, die im gleichen Land leben, nicht irgendwann zueinanderfinden sollten, dann könnte in diesen gegenseitigen Vorurteilen noch eine Menge Sprengstoff stecken.

Dass es diese pauschalen Vorurteile auch bei uns immer noch gibt - von Fall zu Fall sicher auch mit begründeter Berechtigung - zeigt der Kommentar von Margareta. Obwohl du ganz eindeutig von Roma gesprochen hast, wirft sie diese, sicher ohne böse Absicht, mit den "Zigeunern" in einen Topf. Bis die pauschalen Vorurteile gegen diese Volksgruppen aus den Köpfen der Deutschen verschwunden sein werden, wird noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten sein.

Ach ja: Wer lebt denn in deinem Stadtteil im Ghetto?

Gruß,
Jürgen

Anonym hat gesagt…

...Also, da kann man den Roma doch nicht böse sein. Überhaupt nicht. Sie nehmen, was sie hier bekommen können. Und man kann viel bekommen hier, wenn man die Wege weiß.

Irgendeiner muss aber auch die Zeche dafür zahlen.