Freitag, 1. Mai 2015

1. Mai - Tag der Arbeit

Wenn ich an Früher zurückdenke, war der 1. Mai schon immer ein besonderer Tag. Zuerst einmal gab es natürlich den Tanz in den Mai. Das war Pflichtprogramm und hat immer viel Spaß gemacht. Ob in der Stadt oder auf dem Land, wo das Maibaumaufstellen auch noch mit zum Programm gehörte. Überall war richtig was los. Die Nacht wurde meistens durchgefeiert und den Feiertag brauchte man dann, um auszuschlafen oder was später dann auch noch wichtig wurde, dass man bei der Mai-Demo dabei war. Ja und bei mir kam dann noch dazu, dass meine Cousine an diesem Tag Geburtstag hatte und wenn es irgendwie ging, war ich dort dann auch noch zu Gast. Eigentlich ist alles so geblieben, den Tanz in den Mai gibt es noch und er scheint auch noch ziemlich wüst gefeiert zu werden, denn letzte Nacht musste ich mein Schlafzimmer wieder räumen, um im Gästezimmer zu schlafen, weil es von der Kneipe im Nachbarhaus und von der Straße zu laut war, um schlafen zu können. Alternative wäre natürlich gewesen, mitzumachen, aber da das Tanzen mit einem kaputten Knie schwerfällt, hat sich das von selbst erledigt. Auf die Demo gehe ich seit den Studententagen auch nicht mehr, obwohl es eigentlich schon wichtig wäre, dass man für seine Meinung und seine Ziele auf die Straße geht. Da habe ich dann schon ein schlechtes Gewissen, wenn der Zug an meinem Fenster vorbeizieht.  Ja und meine Cousine ist 2011 verstorben und so gibt es auch keine Geburtstagsfeier mehr am 1. Mai. Wenn man darüber dann so nachdenkt, was früher war und was heute ist, dann hat sich mit der Zeit schon viel verändert. Aber, was geblieben ist, ist der Feiertag und der ist ja für einen Rentner/in enorm wichtig was man ja schon in Supermärkten am Tag davor merkt. Als wenn es nach dem Feiertag keinen Werktag mehr gibt, an dem man einkaufen könnte so voll war es überall Gestern. Und ich war natürlich mittendrin, anstatt mal nachzudenken und mit dem Hintern zuhause zu bleiben. Denn notwendig war es weiß Gott nicht, dass ich Gestern noch unbedingt einkaufen musste. Aber, nein, die Weserkrabbe musste unbedingt noch das eine oder andere einkaufen, dabei mache ich Morgen eh eine Ausflugsfahrt ins Alte Land und verhungert wäre ich so auch nicht. Dies nur zur Weisheit im Alter. Na ja, und da die alten Zeremonien für mich nun alle inzwischen weggefallen sind, wird der 1. Mai nun bei mir zum Spargel-Essen-Starttag ernannt. Es gibt zum ersten Mal frischen deutschen Spargel mit rohem Schinken und Kartoffeln. Und den werde ich dann fast genauso geniessen wie früher den Tanz in den Mai.

So verschieben sich die "Genüsse" :-). Und trotzdem finde ich es gut, dass es immer noch diesen Feiertag gibt und dass viele Menschen ihn so feiern wie er gedacht war:

2015 begehen wir in Deutschland zum 125. Mal den Tag der Arbeit. Für uns ein Grund zu feiern – und ein Grund, mit Stolz auf unsere Arbeit zurück zu blicken. In über zwölf Jahrzehnten haben sich Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter immer für die Rechte der arbeitenden Menschen eingesetzt und dabei jede Menge erreicht: unsere Erfolge im Spiegel von historischen Gewerkschaftsplakaten.

Mai-Plakat 2015
Maiplakat von 1956: Ein fröhliches Kind streckt den rechten Zeigefinger mit dem Arm nach oben. Der Slogan: "Samstags gehört Vati mir."


Kommentare:

Irmtraud Kesselring hat gesagt…

Liebe Brigitte,
vieles hat sich verändert, manches ist geblieben.
So war ich gestern zufällig bei der Maibaumaufstellung und anschließend zum Essen im Zelt. Getanzt habe ich natürlich auch nicht. Aber immerhin.
Die jährliche Maikundgebung bei uns ist schon seit zwei Jahren nicht mehr. Kein Interesse. Alles in allem war es in dieser Nacht sehr ruhig bei uns.
Einen schönen ersten Maifeiertag wünscht Dir
Irmi

Marlies hat gesagt…

Hallo, Brigitte! Ich komme gerade von der Maikundgebung!!!! Die ganze Bremerhavener Politprominenz hat sich dort sehen lassen. Die Hauptrednerin Karin Schwendler kennen wir noch als Kind.Ansonsten waren viele bekannte Gesichter von uns zu sehen und zu sprechen.Als "alte Gewekschafter" und Personalräte (beide, mein Mann u. ich) mußten wir einfach hin!!!!! Alles andere ging mir genau wie Dir mit Tanz in den Mai u.s.w. u. s.w....Nur mit dem Spargel haben wir schon eher angefangen!!!!Viel Spaß beim Ausflug ins Alte Land!!!! Gruß Marlies

Anonym hat gesagt…

Hallo, Brigitte, bei mir gab es heute auch Spargel. War soooo lecker. Wünsche Dir morgen einen schönen Ausflug ins Land der Apfelblüte.

Liebe Grüße von
Monika Meerschwein

marianne döscher hat gesagt…

moin brigitte,
die aktive maizeit hat sich auch hier und bei mir geändert ;).
grad in brhv. war immer aktion angesagt...
den 1. mai nun als spargeltag zu feiern gefällt mir, doch wenn zur demo für sinnvolles (und nicht nur blablabla) aufgerufen wird dann bin ich wieder dabei.
hab einen wunderbaren mai!

Ina hat gesagt…

Bei uns war der 1. Mai als Demo-Tag PFLICHT. Mit roter Nelke und winkend an der Politprominenz und den Helden der Arbeit vorbei.

Als Kind fand ich es irgendwie lustig. Aufregend war es, ob ich meine Klassenkameraden rechtzeitig zum Umzug finde. Wir waren eine Gemeinschaft.

Später als Lehrling ging ich neben meinen Kollegen. Da amüsierten wir uns schon eher darüber, wie die "Obrigen" sich feiern ließen. Kritische Stimmen hinter vorgehaltener Hand. Aber wir mussten dabei sein. Vielleicht wegen der Dazugehörigkeit zum Kollektiv, vielleicht auch weil es kontrolliert wurde. Daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

Später fand ich es immer sehr praktisch, dass der 1. Mai ein freier Tag war. Dadurch war gesichert, dass ich meinen Geburtstag mit den Gästen bis in die Nacht feiern konnte. Denn am nächsten Tag musste niemand arbeiten.

Wenn ich mir jetzt hier in Deinem Post die Errungenschaften der Gewerkschaften durchlese, dann weiß ich, dass ich nach der Wende viele dieser Privilegien nutzen konnte. Ich hatte das Glück, im öffentlichen Dienst zu arbeiten, hatte also auch nie wirklich Angst um meinen Arbeitsplatz haben müssen. Bekam gutes Geld (auch Urlaubsgeld), einen Urlaub, der für die Erholung reichlich war und konnte meine Arbeit lieben.

Ich kenne jedoch aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis, wie schlimm die Angst um die Arbeit sein kann und auch die Angst davor, ob das Geld pünktlich oder überhaupt aufs Konto kommt für Arbeit, die man geleistet hat.

Liebe Brigitte, DANKE für diesen Post, der wieder zum Nachdenken anregt.

Ganz liebe Grüße

Ina

Anonym hat gesagt…

Salut Brigitte
Vielen Dank für den informativen Beitrag.Ich persönlich habe keinen besonderen Bezug zum 1. Mai. Ich bin dann im (hoffentlich) Grünen und feiere die Natur. Zu den Errungenschaften der Gewerkschaften: stimmt mich sehr nachdenklich wenn ich sehe wie der Sozialabbau bei den Jungen schon voll im Gang ist: keine festen Verträge mehr "hire and fire" keine Aussicht auf Rente usw. Die ganzen Errungenschaften riskieren nach und nach umgangen zu werden. Es gäbe genug Gründe auf die Strasse zu gehen, aber ich tue es nicht obwohl meine Knie top sind :(